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Gnade

Veröffentlicht am1. April 2018 Geschrieben von:EliasKategorien:Pastors Blog

Das Wort „Gnade“ ist für die meisten Menschen unserer westlichen Kultur fremd geworden. Man bringt es vielleicht mit Situationen in Verbindung, in denen Menschen in einem Gerichtsprozess „begnadigt“ werden. Vielleicht denkt man auch an den Moment, wo man dabei erwischt wurde, als man über eine rote Ampel fuhr („Haben sie Gnade, lieber Herr Polizist.“) Vielleicht denkt man an den nicht so gelungenen Aufsatz und hofft, dass die Lehrerin Gnade walten lässt. Es gibt mit Sicherheit noch einige weitere Beispiele hierfür.

Selbst als Christ fällt es nicht ganz leicht, das volle Bedeutungsspektrum zu beschreiben. Wir wissen, dass es wichtig ist. Wir wissen, dass es etwas Gutes sein muss. Vielleicht wissen wir auch noch, dass es etwas mit Sünde und Vergebung zu tun hat. Aber irgendwo hört es dann auch schon auf, man kommt in Erklärungsnot und wir belassen es häufig dabei. Da es in der Bibel steht und oft gesagt wird, wird es schon seine Bedeutung haben. Und außerdem klingt es irgendwie richtig und ich erhalte viel Bestätigung von Leuten, wenn ich immer wieder sage, alles Gute im Leben sei reine Gnade.

Vor einiger Zeit nahm ich mir eine dreitägige Auszeit. Auszeit meint, Handy aus, Abgeschiedenheit, Stille, Gebet, Bibel, etwas zum Schreiben und ein Buch. Der Titel des Buches, das ich mitgenommen hatte lautet „Grace (Gnade) – Was du für deine Nachfolge unbedingt brauchst![1] Ich muss zugeben, dieses Buch hat mich in einigen Punkten zum Nachdenken gebracht. Folgende Worte möchte ich aus dem Buch zitieren, die mich u.a. sehr bewegt haben: „Ich habe massenweise Bibelstellen auswendig gelernt, die etwas über die Gnade sagen. Und noch etliche Bücher darüber gelesen. Aber weißt du, wie ich am meisten von der Gnade verstanden habe? Durch meine eigene Geschichte und die Geschichten von anderen, die erlebt haben, was Gnade ist. Gottes Gnade ist einleuchtend, wenn man sie uns erklärt. Aber sie wird unwiderstehlich, wenn wir sie erleben.“[2]

Gnade erleben, darum geht es in diesem Buch und darum geht es auch in unserem Leben mit Gott. Ich war einmal leidenschaftlicher Angler. Man kann sich hinsetzen und alles Mögliche über den Fischfang studieren. Man kann ein Spezialist darin werden, wann man welche Fische fangen darf und wann nicht. Man kann die beste Angelausrüstung haben und die erfolgreichsten Fischköder besitzen. Du kannst quasi theoretisch ein Profi sein. Aber du wirst nie das Gefühl erleben, was entsteht, wenn man mit seiner Angel wirklich am Wasser sitzt, der Natur lauscht und wie ein kleines Kind darauf wartet, dass ein Fisch anbeißt. Voller Adrenalin im Kampf zwischen dir und dem Fisch, nicht wissend, was du da gleich an Land ziehst. Mich erschleicht das Gefühl, dass es jetzt einige Leser gibt, die überhaupt nicht nachvollziehen können, wovon ich hier mit großer Leidenschaft und Begeisterung schreibe. 🙂 Das ist nicht schlimm. Hier geht es ja nur um ein Hobby.

Wenn wir diesen Vergleich auf unser Thema Gnade übertragen, dann finden wir einige Parallelen. Wir können theoretisch Profis in Sachen Gnade werden. Aber praktisch muss das noch keine Bedeutung haben. Ich kann über Gnade viele Predigten gehört haben, aber dennoch keine Gnade erleben. Eine weitere Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt ist: Erleben die Menschen in der Begegnung mit mir Gottes Geschenk der Gnade? Anders ausgedrückt, sind meine Worte, meine Taten, meine Gedanken durchtränkt von Erfahrungen der Gnade Gottes und gebe ich diese weiter an andere? Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir Gottes Gnade zunehmend erfahren würden?

Die Bibel enthält eine zentrale Botschaft: Eine Beziehung zu Gott können wir nur durch Gnade haben. Gnade meint also aus biblischer Sicht: Aus eigener Anstrengung können wir unsere Erlösung nicht bewirken. Wir brauchen unbedingt göttliche Hilfe. Diese göttliche Hilfe kam als Geschenk in Jesus Christus zu uns (vgl. 1. Korinther 4,1). In der Begegnung mit Jesus wird uns Gottes Gnade immer mehr zuteil. Wir sagen häufig ich kann Menschen nur das weitergeben, was ich selbst erlebt habe. Darin liegt wirklich der Schlüssel im Leben mit Gott! Mir wird immer mehr bewusst, wie sehr wir die Gnade Gottes täglich brauchen. Wir können sie erfahren und bei anderen beobachten. Ich möchte jeden ermutigen, bewusster durch den Tag zu gehen. Ich bin mir sicher, dass wir sie finden oder anders ausgedrückt: Gottes Gnade findet uns!

Ich wünsche uns allen Gottes reichen Segen

Jürgen Justus

[1] Das Buch kann bei www.buchperle-kostbar.de bestellt werden.
[2] Kyle Idleman, #Grace was du für deine Nachfolge unbedingt brauchst, 2018, 13.

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