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Die Gabe der Leitung

Veröffentlicht am1. Dezember 2016 Geschrieben von:EliasKategorien:Pastors Blog

In 1. Korinther 12,28 spricht Paulus von unterschiedlichen Gnadengaben, darunter die „Gabe zu leiten“. Das griechische Wort „Kybernesis“ bezeichnet die Aufgabe eines Steuermannes, eines Lotsen, Lenkers und Leiters. Im Altertum hatte der Steuermann eine höhere Stellung als heute, denn er war Kapitän und Steuermann zugleich. In der griechischen Literatur bedeutet es die Richtung erkennen, vorgeben und lenken. (Siegfried Großmann: prophetische Leitung).

Die Gabe der Leitung könnte man mit diesen Worten definieren:

Durch die Führung und Impulse des Heiligen Geistes wird man befähigt, einzelne Menschen aber auch große Organisationen im Willen Gottes zu führen und zu leiten.

In den vergangenen Jahren ist die Gabe der Leitung in der christlichen Literatur stark in den Fokus gekommen. Ich denke, viele haben den Wert von Leiterschaft entdeckt und schätzen gelernt. Die Bandbreite an guten Medien ist enorm. Ich möchte jedoch nicht unterschlagen, dass gerade in diesem Bereich im Leib Jesu viele Fehler gemacht wurden und werden. Viele Verletzungen entstehen durch falsch verstandene und (vor-)gelebte Leiterschaft. Jeder Leiter steht in besonderer Verantwortung, den eigenen Leitungsstil fortwährend zu überprüfen und wenn nötig, mit der Kraft des Heiligen Geistes und der Hilfe von Menschen zu verändern. Auch wenn Fehler gemacht wurden und werden, möchte ich den Wert von biblischer Leiterschaft hervorheben und Mut machen, neues Vertrauen in Gott und von ihm begabten (beschenkten) Leitern zu setzen.

Mir gefällt was Dr. Heinrich Christian Rust zu geistlicher Leitung schreibt:

„Geistlich zu leiten ist in erster Linie eine Gabe Gottes und erst in zweiter Linie ein Ergebnis von Schulungen und Anstrengungen. Geistliche Leiter sind einzigartig, weil wir in ihnen die geistliche Führungsweise Jesu, den Sinn Jesu wiederentdecken. Gerade hierin wird die Verschiedenheit zu säkularen Leitungen deutlich. Wie hat Jesus geführt und geleitet?“[1]

Leiten im Sinne Jesu meint eine dienende Grundeinstellung. Gott sucht nach Männern und Frauen, die ein Dienerherz haben und seine Interessen erfüllen, nicht ihre eigenen.[2] Dienende Leiterschaft ist heutzutage sehr gefragt. Die Menschen spüren schnell, ob Leitung von oben herab oder in Liebe geschieht. In Matthäus 20,25-28 sagt Jesus:

„25 Jesus aber rief sie heran und sprach: Ihr wisst, dass die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Großen Gewalt gegen sie üben 26 Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch groß werden will, wird er euer Diener sein 27 und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; 28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“

In Apostelgeschichte 6 sehen wir die Apostel mit zwei Problemen Konfrontiert. Ein zunehmendes Versorgungsproblem der Witwen und die Vernachlässigung der Predigt des Wortes Gottes. Beides zu bewältigen, sahen sie sich nicht in der Lage. Eine Lösung musste her. Sie beschlossen, sieben Männer als Diakone einzusetzen, so dass sie wieder für das Wort Gottes freigesetzt waren. Es wurden aber nicht irgendwelche Personen für diesen Dienst bestimmt. Nein, es waren Männer voll Heiligen Geistes. Den Aposteln war bewusst, dass dieser Dienst nur durch die Bevollmächtigung des Heiligen Geistes durchgeführt werden konnte. Die Gabe der Leitung half den Aposteln und der Urgemeinde aus einer Krise herauszukommen und neue Strukturen zu schaffen, so dass nun noch mehr Menschen gedient werden konnte als es vorher möglich war, ebenso konnte das Wort Gottes weiter gepredigt werden.

Ein kurzes Zeugnis über meine Großmutter. Meine Großeltern sind in Kasachstan aufgewachsen und lebten unter sehr armen Verhältnissen. Eine neunköpfige Familie musste versorgt werden. Gott beschenkte meine Oma mit der Gabe der Leitung. Über viele Jahre hindurch traf sie Entscheidungen, die schließlich mehreren Generationen zum Segen wurden. Sie verwaltete das, was sie hatten, so gut, dass es sogar noch für andere reichte. Nachbarn und Freunde in ihrer alten Heimat kamen hilfesuchend zu ihr und baten um Unterstützung. Die Gabe der Leitung half in diesem Fall das Überleben vieler Menschen zu sichern. Gott sei Dank!

Ich habe ein paar Aspekte herausgegriffen, die ich in dieser Ausgabe zum Thema „Die Gabe der Leitung“  auf dem Herzen hatte. Ich möchte jeden ermutigen, die Gabe die Gott geschenkt hat zu schätzen und zu gebrauchen. Es ist, was es ist, ein Geschenk. Und als solches dürfen wir es auch im Dienst für andere einsetzen.

Herzliche Grüße

Jürgen Justus

 

[1] Rust, Charismatisch dienen, 151.
[2] Krallmann, Von der Begabung zur Befähigung, 119.

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